stecken

Material:

12'702 Stecknadeln aus Stahl auf Seide

Grösse:

84 cm x 175 cm

Jahr:

2024

stecken, aufstecken, hineinstecken, durchstecken, anstecken,

 feststecken zurückstecken, verstecken

 

Die textilbasierte Arbeit „stecken“ ist eine tiefsinnige ästhetische Reflexion über Zeit, Abwesenheit und handwerkliche Arbeit. Diese Arbeit besteht aus einem 84 cm x 175 cm großen Seidenstoff, durchsteckt mit 12‘702 Stahlstecknadeln, wie sie in der Schneiderei zum Fixieren und Abstecken von Stoffen verwendet werden. Die Komposition aus Seidenstoff und Stecknadeln schafft eine visuelle Repräsentation der Zeitlichkeit und beleuchtet gleichzeitig die unsichtbare, repetitive und nie endende Arbeit, insbesondere die historische Praxis des Nadelgelds und die textilen Haushaltsarbeiten, die traditionell von Frauen ausgeführt wurden.

Der Seidenstoff, gewählt für seine Symbolik von Wertigkeit, Zerbrechlichkeit und Komplexität, bildet den Rahmen für das Relief der Stecknadeln. Diese Nadeln, in unterschiedlichen Richtungen und Formationen gesetzt, stellen die Vielschichtigkeit der Zeit dar. Die präzise Platzierung der Nadeln folgt den Falten des gebrauchten Stoffes, die verschiedene Richtungen und den veränderten Gebrauch des Textilen widerspiegeln. Jede Nadel repräsentiert einen Moment, eine Handlung oder eine Aufgabe, die in die Stoffoberfläche eingebracht wurde.

Das Relief aus Stecknadeln reflektiert die oft unsichtbare Arbeit, die im häuslichen Bereich oft von Frauen geleistet wird. Textile Haushaltsarbeiten wie Nähen, Sticken und andere handwerkliche Tätigkeiten waren essenziell für das Funktionieren von Haushalten, wurden jedoch häufig als weniger wertvoll angesehen im Vergleich zur Arbeit, die außerhalb des Hauses stattfand. Diese Arbeit bleibt oft unsichtbar und wird als selbstverständlich betrachtet, während gesellschaftliche und ökonomische Strukturen den Wert von Arbeit oft nach monetärem Gewinn und gesellschaftlichem Status bewerten. Dies führt dazu, dass viele Formen von Arbeit, insbesondere solche, die im häuslichen Bereich  geleistet werden, unterbewertet und unterbezahlt sind.

Die repetitive Handlung des Steckens und Nachsteckens, die in dieser Arbeit sichtbar wird, spiegelt die endlose Natur dieser Tätigkeiten wider. Der Titel „stecken“ verdeutlicht diese Aspekte durch seine Vieldeutigkeit und hebt den Wert von Zeit und Arbeit hervor, der oft durch gesellschaftliche Normen und ökonomische Interessen bestimmt wird.

Die Arbeit lädt die Betrachter:innen ein, über die Bedeutung von Zeit, die Unsichtbarkeit und Wertschätzung der handwerklichen Arbeit sowie die ästhetische Schönheit textiler Materialien nachzudenken. Durch die Kombination von Seide und Stecknadeln entsteht eine tiefgehende narrative und ästhetische Erfahrung, die sowohl visuell beeindruckt als auch intellektuell anregt und die oft unterschätzte, aber wesentliche Arbeit in den Fokus rückt.